DIE RELATIVITÄT DER ZEIT UND
DIE REALITÄT DES SCHICKSALS
Im vorher Gesagten wurde gezeigt, dass ein "dreidimensionaler Raum"
in Wirklichkeit nicht existiert, dass das Konzept eines solchen
ein, ausschließlich von Wahrnehmungen geformtes Vorurteil ist, und
dass das Leben in "Raumlosigkeit" vor sich geht. Das Gegenteil zu
behaupten, wäre, an einer abergläubischen Anschauung festzuhalten,
die abseits von Vernunft und wissenschaftlicher Erkenntnis liegt,
da es keinen gültigen Beweis für das Vorhandensein einer dreidimensionalen
materiellen Welt gibt.
Diese Tatsache widerlegt die Grundprämisse der materialistischen
Philosophie, die auch die Grundlage der Evolutionstheorie ist, und
besagt, dass die Materie absolut und ewig sei. Die zweite Hypothese
auf der die materialistische Philosophie beruht, ist die Annahme,
dass die Zeit absolut und ewig sei. Diese Annahme ist in gleichem
Maß ein Aberglauben, wie die erstere.
Die Wahrnehmung der Zeit
Die Empfindung die wir "Zeit" nennen, ist eigentlich ein Verfahren
wodurch ein Moment mit einem anderen verglichen wird. Dies kann
mit einem Beispiel erklärt werden: Wenn wir beispielsweise an einen
Gegenstand klopfen, hört man einen bestimmten Ton. Wenn man fünf
Minuten später wieder an den selben Gegenstand klopft, gibt es wieder
einen Ton. Man nimmt war, dass zwischen dem ersten und dem zweiten
Ton eine Pause war, und diese Pause nennen wir "Zeit". Zu dem Zeitpunkt
jedoch, wenn man den zweiten Ton hört, ist der erste Ton nichts
Weiter als eine Einbildung, er ist nur eine Information im Gedächtnis.
Man hat die Zeitempfindung, in dem man den Moment, den man erlebt,
mit dem vergleicht, was im Gedächtnis gespeichert ist. Wenn es dieser
Vergleich nicht gemacht wird, gibt es auch keine Zeitempfindung.
Ebenso macht man einen Vergleich, wenn man jemanden beobachtet,
der die Tür öffnet, den Raum betritt und sich auf das Sofa setzt.
Bis zu dem Zeitpunkt an dem die Person auf dem Sofa sitzt, wurden
die Bilder die den Augenblicken des Öffnens der Tür, des Eintretens
dieser Person in den Raum, ihrer Bewegung auf das Sofa zu und schließlich
des Platznehmens zugehören, als Informationsdaten im Gehirn zusammengestellt.
Die Wahrnehmung der Zeit findet statt, wenn man die Wahrnehmung
der auf dem Sofa sitzenden Person mit jenen Informationsdaten vergleicht.
Kurz gesagt, Zeit entsteht als Ergebnis des Vergleichs zwischen
mehreren Eindrücken die im Gehirn gespeichert sind. Wenn der
Mensch kein Gedächtnis hätte, könnte das Gehirn keine solchen Interpretationen
machen und somit könnte er auch keine Zeitempfindung haben. Der
Grund, dass jemand sein Alter z.B. als 30 Jahre bestimmt, ist, dass
er Information angesammelt hat, die sich in seinem Geist auf 30
Jahre beziehen. Wenn er kein Gedächtnis besäße, würde er nicht an
das Vorhandensein der vorhergehenden Zeitspanne denken, sondern
würde nur den einzigen "Augenblick" den er jeweils erlebt, erfahren.
Die wissenschaftliche Erklärung der Zeitlosigkeit
Um das Konzept verständlicher zu machen, seien hier die Erklärungen
von verschiedenen Wissenschaftlern und Denkern zu diesem Thema aufgeführt.
Der berühmte Intellektuelle, Nobelpreisträger und Professor der
Genetik François Jakob, erklärt in seinem Buch "Spiel der Möglichkeiten"
[Le Jeu des Possibles] zum Thema der rückwärts fließenden Zeit Folgendes:
Filme die rückwärts laufend gezeigt werden,
ermöglichen es uns, uns eine Welt vorzustellen, in der die Zeit
rückläufig ist. Eine Welt, in der die Milch sich vom Kaffee
trennt und aus der Tasse ins Milchkrügchen springt; eine Welt, in
der Lichtstrahlen von Wänden ausgestrahlt werden um in einer Falle
(Gravitätszentrum) gesammelt zu werden, anstatt von einer Lichtquelle
auszuströmen; eine Welt in der ein Stein in erstaunlichem Zusammenspiel
mit unzähligen Wassertropfen aus dem Wasser springt und in ansteigender
Flugbahn in der Hand des Menschen landet. In solch einer Welt jedoch,
in der die Zeit solche entgegengesetzten Eigenschaften besäße, würden
auch die Vorgänge in unserem Gehirn und die Art und Weise in der
unser Gedächtnis Information zusammenstellt, in gleicher Weise rückläufig
funktionieren. Das Gleiche trifft auf die Vergangenheit und die
Zukunft zu, und die Welt würde uns genauso erscheinen, wie sie uns
gegenwärtig erscheint.214
Weil unser Gehirn an eine bestimmte Ablauffolge von Ereignissen
gewöhnt ist, verläuft die Welt nicht wie oben beschrieben und wir
nehmen an, die Zeit bewegt sich stets vorwärts. Dies jedoch ist
eine Entscheidung, die im Gehirn gemacht wird, und ist daher völlig
relativ. In Wirklichkeit wissen wir nicht, wie die Zeit läuft oder
ob sie sich überhaupt fortbewegt oder nicht. Das ist ein Hinweis
auf die Tatsache, dass die Zeit nicht absolut, sondern nur eine
Art Wahrnehmung ist.
Die Relativität der Zeit ist eine Tatsache, die auch vom größten
Physiker des 20. Jh., Albert Einstein bestätigt wurde. In seinem
Buch "Einstein und das Universum" [The Universe and Dr. Einstein]
schrieb Lincoln Barnett Folgendes:
Zusammen mit absolutem Raum hat Einstein auch
das Konzept der absoluten Zeit - als einen unveränderlichen, unhaltbaren
universellen Zeitfluss der aus unendlicher Vergangenheit in unendliche
Zukunft läuft - abgelehnt. Ein Großteil der, die Relativitätstheorie
umgebenden Undurchsichtigkeit, rührt daher, dass der Mensch sich
sträubt, zu erkennen, dass Zeitempfindung, ebenso wie Farbenempfindung,
eine Form der Wahrnehmung ist. Ebenso wie der Raum nur eine
mögliche Anordnung von materiellen Objekten ist, so ist die
Zeit nur eine mögliche Anordnung von Ereignissen. Die Subjektivität
der Zeit, wird am besten durch Einsteins eigene Worte erklärt:
"Die Erfahrungen eines Individuums erscheinen uns als eine angeordnete
Folge von Geschehnissen. In dieser Folge erscheinen die einzelnen
Ereignisse, an die wir uns erinnern, entsprechend den Kriterien
'vorher' und 'nachher' angeordnet zu sein. Es gibt daher für
das Individuum eine Ich-Zeit, oder subjektive Zeit. Diese ist
als solche nicht messbar. Ich kann natürlich den Ereignissen Zahlen
in der Weise zuordnen, dass die größere Zahl dem späteren Ereignis
zugehörig ist, anstatt dem früheren".215
Einstein selbst wies darauf hin, wie Barnetts
in seinem Buch zitiert: "Raum und Zeit sind Formen der Intuition,
die in keiner Weise mehr vom Bewusstsein getrennt werden können
als unsere Konzepte von Farben, Form und Größe". Entsprechend der
allgemeinen Relativitätstheorie hat "Zeit keine unabhängige Existenz,
anders als die Anordnung der Ereignisse, durch die wir sie messen".216
Da die Zeit aus Wahrnehmungen besteht, hängt sie gänzlich vom wahrnehmenden
Subjekt ab, und ist somit relativ.
Die Geschwindigkeit des Zeitflusses, ändert
sich entsprechend der Natur dessen, worauf wir uns beziehen um sie
zu messen, denn im Körper des Menschen befindet sich keine natürliche
Uhr, die genau angeben würde, wie schnell die Zeit verstreicht.
Es ist so wie Lincoln Barnett schreibt: "Ebenso wie es keine Farbe
gibt, ohne ein Auge, das sie unterscheiden könnte genauso wenig
sind der Moment, die Stunde oder der Tag "nichts", wenn es kein
Ereignis gibt, auf das sie bezogen wären."217
Die Relativität der Zeit erlebt man sehr deutlich im Traum. Obwohl
das, was wir im Traum sehen scheinbar Stunden gedauert hat, währte
es tatsächlich nur ein paar Minuten oder sogar nur ein paar Sekunden.
Um die Sache klarer verständlich zu machen, stellen wir uns z.B.
vor, wir verbrächten eine bestimmte Zeit in einem speziell vorbereiteten
Zimmer, welches nur ein Fenster hat. In dem Zimmer mag auch eine
Uhr sein, damit wir die verbrachte Zeit verfolgen können. Während
dieser Zeit können wir durch das Fenster beobachten, wie die Sonne
in bestimmten Abständen auf- und untergeht. Wenn wir nach ein paar
Tagen gefragt würden, wie lange wir dort geweilt haben, würde unsere
Antwort auf der Information beruhen, die wir aus den Blicken auf
die Uhr gewonnen hatten und aus der Berechnung der Sonnenauf- und
-untergänge. Angenommen, wir hätten berechnet, dort drei Tage verbracht
zu haben. Wenn jedoch der Versuchsleiter, der uns in dieses Zimmer
gebracht hatte sagen würde, dass wir tatsächlich nur zwei Tage in
diesem Zimmer verbracht haben, dass die Sonnenauf- und -untergänge
künstlich von einem Simulator erzeugt worden waren, und dass die
Uhr schneller eingestellt worden war, dann wären all unsere Berechnungen
bedeutungslos.
Dieses Beispiel bestätigt, dass unsere Information über die Geschwindigkeit
des Zeitablaufs, nur auf relativen Referenzen beruht.
Die Relativität der Zeit ist eine, durch wissenschaftliche Methodologie
bewiesene Tatsache. Die allgemeine Relativitätstheorie von Albert
Einstein besagt, dass die Geschwindigkeit der Zeit sich entsprechend
der Geschwindigkeit eines Körpers, auf den sie bezogen ist und seiner
Entfernung zum Gravitationszentrum ändert. Je mehr sich die Geschwindigkeit
des Objekts erhöht, um so mehr wird die Zeit gekürzt und zusammengedrängt
und verlangsamt sich bis zu einem Punkt, wo sie zum "Stillstand"
kommt.
Das sei anhand eines, von Albert Einstein selbst
geprägten Beispiels erklärt. Man stelle sich Zwillinge vor, von
denen einer auf der Welt bleibt und der andere mit annähernd Lichtgeschwindigkeit
auf eine Weltraumreise geschickt wird. Wenn dieser von seiner Weltraumreise
zurückkehrt, wird er seinen Zwillingsbruder wesentlich mehr gealtert
vorfinden als sich selbst. Der Grund dafür ist, dass die Zeit für
jemanden, der sich mit annähernd Lichtgeschwindigkeit fortbewegt,
viel langsamer abläuft. Wenn man das gleiche Beispiel auf einen
Vater, der sich im Alter von 27 Jahren auf eine Weltraumreise begibt
und einen 3-jährigen Sohn auf der Erde zurücklässt, anwendet, wäre
der Vater bei seiner Rückkehr nach 30 Jahren (Erdenzeit) erst 30,
wohingegen der Sohn 33 Jahre alt wäre.218
Es sollte hier darauf hingewiesen werden, dass diese Relativität
der Zeit nicht etwa durch die Beschleunigung oder Verlangsamung
von Uhrwerken oder sonstigen mechanischen Systemen verursacht wird.
Sie ist vielmehr das Ergebnis von unterschiedlichen Operationsperioden
des gesamten materiellen Systems bis hin zu den subatomaren Teilchen.
In anderen Worten, die Zeitstauung ist nicht wie die Aktion in einem
Zeitlupenfilm für die Person, die sie erlebt, in einer derartigen
Situation würden der Herzschlag, der Metabolismus, die Gehirnfunktionen
usw. alle langsamer vor sich gehen, als bei denen sich in der Dimension
der Erdenzeit bewegen. Solch eine Person würde in seinem täglichen
Leben fortfahren, ohne die Zeitkürzung zu bemerken. In der Tat,
die Kürzung würde überhaupt nicht in Erscheinung treten, solange
kein Vergleich angestellt würde.
Die Relativität im Quran
Die Folgerung, die wir aus den Forschungsergebnissen der modernen
Wissenschaft ziehen können, ist, dass die Zeit kein absolutes Phänomen
ist, wie die Materialisten es annehmen, sondern eine relative Wahrnehmung.
Interessant ist, dass der Quran diese Tatsache, die erst im 20.
Jahrhundert durch die Wissenschaft entdeckt wurde, bereits vor vierzehnhundert
Jahren eröffnet hat. Der Quran gibt mehrere Hinweise, auf die Relativität
der Zeit, und so kann man die wissenschaftlich erwiesene Tatsache,
dass die Zeit eine psychologische Wahrnehmung, die von Ereignissen,
Situationen und Umständen abhängt, dort in vielen Versen wieder
finden. Zum Beispiel erklärt der Quran, dass die Zeitspanne eines
ganzen Menschenlebens nur sehr kurz ist:
An dem Tag, wenn Er euch einladen wird, werdet
ihr Ihm mit Lobpreisung erwidern und werdet denken, ihr hättet nur
kurze Zeit auf der Erde geweilt (Sure 17:52 - al-Isra')
Und am Tag, wenn Er sie versammeln wird, wird es
so sein als hätten sie nicht mehr als eine Stunde eines Tages auf
der Erde verbracht, und sie werden sich untereinander wieder erkennen...
(Sure 10:45 - Junus)

Die Relativität der Zeit klärt
eine sehr wichtige Angelegenheit: Diese Relativitität ist
derart variabel, dass eine Zeitspanne die uns Milliarden von
Jahren erscheint, in einer anderen Zeitdiemension nur eine
Sekunde ausmachen mag. |
In einigen anderen Versen wird darauf hingewiesen, dass die Menschen
die Zeit unterschiedlich wahrnehmen und dass sie manchmal eine sehr
kurze Zeitspanne als eine sehr lange wahrnehmen können. Das folgende
Gespräch zwischen Menschen am Jüngsten Tag ist ein gutes Beispiel
dafür:
Er wird fragen: "Wieviele Jahre habt ihr auf der
Erde verbracht?" Sie werden sagen: "Wir verbrachten wohl einen Tag
oder nur den Teil eines Tages dort, doch frage die, die zählen."
Er wird sagen: "Ihr verweiltet nur ganz kurz dort, wenn ihr es nur
gewusst hättet. (Sure 10:112, 113, 114 - al-Mu'minun)
In einigen Versen wird angedeutet, dass die Zeit in unterschiedlichen
Situationen eine unterschiedliche Dauer hat:
Und sie halten dich (spottend) an, die Strafe,
die sie erwartet zu beschleunigen, doch Allah wird niemals Sein
Versprechen brechen. Sicherlich ein Tag bei deinem Herrn ist wie
tausend Jahre dessen, was ihr berechnet. (Sure 22:47 - al-Hadsch)
Die Engel und der Geist steigen zu Ihm in einem
Tage, der fünfzigtausend Jahre andauert. (Sure 70:4 - al-Ma'aridsch)
In diesen Versen kommt die Relativität der Zeit eindeutig zum Ausdruck.
Dass der Quran diese Tatsache, welche die Wissenschaft erst im 20.
Jahrhundert entdeckt hat, schon vor 14 Jahrhunderten enthüllte,
zeigt deutlich, dass der Quran von Allah offenbart wurde, der Raum
und Zeit umschließt.
Die Aussagen in vielen anderen Versen des Qurans weisen darauf
hin, dass die Zeit eine Wahrnehmung ist. Dies wird speziell in den
Erzählungen deutlich. Ein Beispiel ist die Geschichte der "Genossen
der Höhle". Dort wird berichtet, dass Allah einen 300-jährigen Schlaf
über eine Gruppe von Gläubigen kommen ließ. Als sie erweckt wurden,
dachten diese Leute, dass sie in diesem Zustand nur kurze Zeit verweilt
hätten, und konnten sich nicht vorstellen, wie lange sie geschlafen
hatten.
So betäubten Wir sie in der Höhle für eine Anzahl von Jahren. Danach
erweckten Wir sie, um in Erfahrung zu bringen, welche der beiden
Gruppen (der Schläfer in der Höhle und der außerhalb lebenden Ungläubigen)
die Zeitdauer ihres Verweilens besser zu erfassen vermochte.
Und so erweckten Wir sie, dass sie sich untereinander
befragen mögen. Einer von ihnen sagte: "Wie lange habt ihr verweilt?"
Sie erwiderten: "Wir haben einen Tag oder den Teil eines Tages verbracht."
Dann sagten sie: "Allah weiß es am besten, wie lange wir verweilten."...
(Sure 18:11, 12, 19 - al-Kahf)
Die im folgenden Vers geschilderte Situation ist ebenfalls ein
Hinweis darauf, dass die Zeit in Wirklichkeit eine psychologische
Wahrnehmung ist.
Oder wie es dem erging, der an einer Ortschaft
vorbeikam, die verwüstet bis auf ihre Grundfesten dalag. Er sagte
zu sich selbst: "Wie mag Allah all dies nach seiner Zerstörung zum
Leben erwecken?" So ließ Allah ihn sterben und erweckte ihn nach
hundert Jahren wieder zum Leben und fragte ihn: "Wie lange währte
dein Zustand?" Er erwiderte: "Ich habe einen Tag oder den Teil eines
Tages so verbracht." "Keineswegs", sagte Er, "du verweiltest hundert
Jahre, doch sieh dir deine Speise und dein Getränk an, die Jahre
sind spurlos daran vorübergegangen, und sie dir deinen Esel an.
Und damit Wir dich zu einem Zeichen für die Menschen machen, sieh
die Gebeine an, wie Wir sie zusammenbringen und dann mit Fleisch
bekleiden." Und als er es deutlich erkannte sagte er: "Ich habe
Gewissheit, dass Allah über alle Dinge Macht hat." (Sure 2:259 -
al-Baqara)
Der obige Vers macht es nachdrücklich klar, dass Allah, der die
Zeit erschaffen hat, ihr nicht untersteht. Der Mensch hingegen unterliegt
der Zeit, die Allah ihm bestimmt hat. Wie in den Versen dargestellt,
ist der Mensch nicht einmal in der Lage zu wissen, wie lange er
in Zuständen der Bewusstlosigkeit verweilt. Unter diesen Gegebenheiten
zu behaupten, dass die Zeit absolut sei (wie die Materialisten es
in ihrer gestörten Mentalität tun), wäre sehr unvernünftig.
Schicksal
Die Relativität der Zeit klärt eine sehr wichtige Angelegenheit:
Diese Relativität ist derart variabel, dass eine Zeitspanne die
uns Milliarden von Jahren erscheint, in einer anderen Zeitdimension
nur eine Sekunde ausmachen mag. Es ist daher möglich, dass der enorme
Zeitraum vom Anfang der Welt bis zu ihrem Ende in einer anderen
Zeitdimension weniger als eine Sekunde - nur einen "Augenblick"
- andauern kann.
Hier liegt die Quintessenz des Konzepts des Schicksals, das von
den meisten Menschen nicht richtig verstanden wird, speziell von
den Materialisten, die es völlig ablehnen. Das Schicksal ist Allahs
vollständiges Wissen über alle Geschehnisse der Vergangenheit und
der Zukunft. Eine große Mehrheit der Menschen fragen, wie Allah
alles schon im vornherein wissen könne, bevor es geschehen ist,
und diese Zweifel hindern sie daran, die Wahrheit des Schicksals
zu begreifen. Geschehnisse, die sich noch nicht ereignet haben,
sind in der Tat nur für uns noch nicht geschehen. Aber Allah ist
völlig unabhängig von Raum und Zeit, denn Er Selbst ist derjenige,
der beide erschuf. Aus diesem Grund sind Vergangenheit, Zukunft
und Gegenwart gleichbedeutend vor Allah; vor Ihm hat alles bereits
stattgefunden und ist vollendet.
Lincoln Barnett erklärt in seinem Buch Einstein
und das Universum wie die Relativitätstheorie auf diese Wahrheit
hinführt. Nach Barnetts Aussage kann das Universum "in seiner allumfassenden
Majestät nur von einem kosmischen Intellekt erfasst werden".219
Der von Barnett als "kosmischer Intellekt" beschriebene Geist ist
das Wissen und die Weisheit Allahs, der das gesamte Universum beherrscht.
So wie wir an einem Lineal, Anfang, Mitte, Ende und alle dazwischen
liegenden Einheiten als eine Gesamtheit erkennen können, erfasst
Allah die Zeit, von der wir abhängig sind, von Anfang bis zum Ende
wie einen einzigen Moment. Die Menschen erleben Ereignisse erst,
wenn deren Zeit kommt, und werden so Zeugen des Schicksals, welches
Allah ihnen zugedacht hat.
Es ist gleichermaßen wichtig auf die Oberflächlichkeit des falschen
Verständnisses des Schicksals aufmerksam zu machen, das in der Gesellschaft
weitgehend vorherrscht. Diese verkehrte Auffassung des Schicksals
beinhaltet den Aberglauben, dass Allah jedem Menschen ein Schicksal
bestimmt habe, doch dass diese Schicksale manchmal von Menschen
geändert werden könnten. Beispielsweise kann man hören wie Leute
über einen Menschen, der knapp dem Tode entging oberflächliche Bemerkungen
machen, wie etwa "Soundso hat sein Schicksal überwältigt". Jedoch
kann niemand sein Schicksal ändern. Jemand der dem Tod entronnen
ist, ist deshalb nicht gestorben, weil es nicht sein Schicksal war
zu dem Zeitpunkt zu sterben. Wiederum ist es das Schicksal derjenigen,
die sich selbst betrügen indem sie sagen: "Ich habe mein Schicksal
überwunden", dass sie so denken und reden.
Das Schicksal ist das Wissen Allahs, und vor Ihm, der die Gesamtheit
aller Zeit wie einen einzigen Augenblick erfasst und über Zeit und
Raum herrscht, ist alles in einem Schicksal bestimmt und vollendet.
Auch aus dem, was im Quran geschildert ist, kann man erkennen, dass
die Zeit für Allah eine Ganzheit ist. Einige Ereignisse, die uns
in der Zukunft begegnen sollen, sind im Quran in der Weise berichtet,
als seien sie schon vor langem geschehen. Zum Beispiel sind die
Verse, die schildern, wie die Menschen im Jenseits vor Allah Rechenschaft
ablegen müssen, so verfasst, als wäre das ein Ereignis, das bereits
vor langer Zeit stattgefunden hat.
Und die Posaune erschallte, und alle, die in den
Himmeln und die auf Erden sind, fielen tot nieder, mit Ausnahme
derer, die Allah davon ausschließen wollte. Danach erschallte sie
ein zweites Mal und sogleich erhoben sie sich und verharrten in
aufmerksamer Erwartung. Und die Erde erstrahlte im Glanz ihres Herrn,
und das Buch wurde vorgelegt, und die Propheten und die Zeugen wurden
herbeigebracht; und es wurde zwischen ihnen in Gerechtigkeit gerichtet,
und sie erlitten kein Unrecht... Und die Ungläubigen wurden in Scharen
zur Hölle getrieben... Und die Gottesfürchtigen, wurden in Scharen
zum Paradies geführt... (Sure 39:68, 69 , 71, 73 - as-Sumar)
Einige andere Verse zu diesem Themenkreis sind:
Und alle Seelen kamen, jede mit einem Antreiber
und einem Zeugen (Sure 50:21 - Qaf)
Und der Himmel spaltete sich entzwei und an jenem
Tag war er unbeständig geworden (Sure 69:16 - al-Haqa)
Und Er belohnte sie dafür, dass sie geduldig waren,
mit dem Paradies und (Gewändern aus) Seide, worin sie sich auf Ruhekissen
entspannen. Sie sind dort weder der sengenden Sonne noch beißender
Kälte ausgesetzt (Sure 69:12, 13 - al-Insan)
Und die Hölle wurde offen enthüllt für die, die
sehen (Sure 79:36 - an-Nasi'at)
Heute aber lachen die Gläubigen über die Leugner
(Sure 83:34 - al-Mutaffifin)
Und die Frevler sahen das Höllenfeuer und ahnten,
dass sie darin eingehen würden, und sie konnten nie einen Ausweg
daraus finden (Sure 18:53 - al-Kahf)
Wie ersichtlich, werden die Ereignisse, die - aus unserer Sicht
- nach unserem Tod eintreten werden, im Quran als erlebte und vergangene
Ereignisse geschildert. Allah ist nicht an das relative Zeitgefüge
gebunden in dem wir eingeschlossen sind. Allahs Wille, der all diese
Ereignisse geschehen lässt, ist zeitlos; die Menschen haben quasi
ihre Taten ausgeführt und die Ereignisse wurden erlebt und sind
geschehen. In dem folgenden Vers wird dargelegt, dass jedes Ereignis,
ob bedeutend oder unbedeutend in Allahs Wissen ist und in einem
Buch aufgezeichnet ist:
Womit auch immer du dich beschäftigst und was du
davon als Offenbarung vorträgst und jede Tat die ihr ausführt, Wir
sind dessen Zeuge, wenn ihr es tut. Und deinem Herrn ist nicht auch
eines Stäubchens Gewicht auf Erden oder im Himmel verborgen, noch
gibt es Kleineres als dies oder Größeres, das nicht in einer deutlichen
Aufzeichnung niedergelegt wäre. (Sure 10:61 - Junus)
Die Besorgnis der Materialisten
Die in diesem Kapitel erörterten Gegebenheiten, insbesondere die,
der Materie, Zeit- und Raumlosigkeit unterliegende Wirklichkeit,
sind in der Tat äußerst durchsichtig. Wie bereits vorher erwähnt,
handelt es sich dabei in keiner Weise um eine Art Philosophie oder
Denkweise, sondern um offensichtliche, unbestreitbare Wahrheiten.
Überdies, dass es eine technische Realität ist, lassen auch die
rationale und logische Beweisführung keine Alternative in dieser
Angelegenheit zu: Das Universum ist ein illusionäres Phänomen in
seiner Gesamtheit, mit all der Materie aus der es sich zusammensetzt
und all den Menschen, die darin leben. Es ist eine Ansammlung von
Wahrnehmungen.
Die Materialisten haben Schwierigkeiten diese Dinge zu verstehen.
Wenn wir zum Beispiel auf Politzers Bus-Beispiel zurückkommen, wusste
Politzer zwar technisch, dass er nicht aus seiner Wahrnehmung heraustreten
konnte, doch akzeptierte dies nur für bestimmte Gegebenheiten. Das
heißt, für Politzer tragen sich die Geschehnisse im Gehirn zu, bis
zu dem Busunfall, doch ist dieser passiert, verlassen sie das Gehirn
und nehmen eine materielle Wirklichkeit an. Der logische Fehler
ist hier offenbar. Politzer hat den selben Fehler gemacht, wie der
materialistische Philosoph Johnson, der sagte "Ich trete gegen einen
Stein, mein Fuß tut weh, also existiert er", und konnte es nicht
verstehen, dass das Trauma nach dem Unfall in der Tat ebenso nur
eine Wahrnehmung ist.
Der Grund, warum die Materialisten dies nicht verstehen wollen,
ist ihre unterbewusste Furcht vor der Tatsache, mit der sie konfrontiert
wären, sobald sie es verstünden. Lincoln Barnett erklärt, dass manche
Wissenschaftler sich dieser Sache "annäherten":
Im Einklang mit dem Abbau aller objektiven Realität
bis auf eine Schattenwelt von Wahrnehmungen durch die Philosophen,
haben auch Wissenschaftler die alarmierenden Grenzen der menschlichen
Sinne erkannt.220
Jeglicher Hinweis auf die Tatsache, dass Materie und Zeit Wahrnehmungen
sind, versetzt den Materialisten in Panik, denn diese sind die einzigen
Konzepte, auf die er sich als absolut existierende stützt. Er macht
sie in gewisser Hinsicht zu Götzen, die er anbetet, denn er glaubt,
durch Materie und Zeit (Evolution) erschaffen, bzw. gestaltet worden
zu sein.
Bei dem Gedanken, dass das Universum und die Welt in der er zu
leben glaubt, sein eigener Körper, die anderen Menschen, die anderen
materialistischen Philosophen von deren Ideen er beeinflusst ist,
kurz gesagt, alles Wahrnehmung ist, überkommt ihn das kalte Grausen.
Alles worauf er sich verlässt, an was er glaubt und worauf er Bezug
nimmt verschwindet auf einmal. Er hat ein Vorgefühl der Verzweiflung,
die er in reiner Form und voller Bedeutung am Jüngsten Tag erleben
wird, wie es im folgenden Vers geschildert ist:
Und sie ergeben sich unterwürfig Allah an jenem
Tag, im Stich gelassen von all dem worauf sie bauten (Sure16:87
- an-Nahl)
Von da an versucht dieser Materialist sich selbst von der Realität
der Materie zu überzeugen und fabriziert "Beweise" die seinem Zweck
dienen, schlägt mit der Faust gegen die Wand, versetzt dem Stein
einen Tritt, tobt und brüllt, doch kann der Wirklichkeit nie mehr
entrinnen.
Ebenso wie sie diese Realität aus ihrem Geist verbannen wollen,
so wollen sie auch, dass die anderen Menschen sie verwerfen. Sie
sind sich auch bewusst, dass, falls die wahre Natur der Materie
der Öffentlichkeit bekannt würde, die Rückständigkeit ihrer eigenen
Philosophie und die, ihrer Weltanschauung innewohnende Ignoranz
entblößt wären und keine Grundlage übrig bliebe, auf welcher sie
ihre Ansichten rationalisieren könnten. Diese Ängste sind der Grund
ihrer ausserordentlichen Besorgnis über die hier dargelegten Fakten.
Allah erklärt, dass die Furcht der Leugner im Jenseits noch anwachsen
wird. Am Jüngsten Tag werden sie mit folgenden Worten angesprochen
werden:
An dem Tag, wenn Wir sie allesamt versammeln, sagen
Wir dann zu denen, die Uns Teilhaber zuschrieben: "Wo sind nun eure
Teilhaber, die ihr in eurem Wahn erdichtet habt?" (Sure 6:22 - al-An'am)
Danach werden die Leugner Zeuge davon, wie ihre Besitztümer, Kinder,
Verwandten und Bekanntenkreise, die sie für wirklich gehalten und
Gott in Wichtigkeit gleichgestellt hatten, sie verlassen und verschwinden.
Allah schildert diese Situation in dem Vers:
Sieh, wie sie sich selbst belogen, und all das,
worauf sie bauten, hat sie im Stich gelassen (Sure 6:24 - al-An'am)
Der Gewinn der Gläubigen
Während die Tatsache, dass Materie und Zeit Wahrnehmungen sind,
die Materialisten in große Angst versetzt, verhält es sich für die
Gläubigen genau umgekehrt. Menschen, die glauben empfinden eine
große Freude, wenn sie das Geheimnis der Materie erkannt haben,
denn diese Wahrheit ist der Antwortschlüssel zu allen Fragen. Mit
diesem Schlüssel können alle Geheimnisse geöffnet werden. Man wird
viele Punkte leicht versehen können, bei deren Verständnis man vorher
Schwierigkeiten hatte.
Wie bereits vordem erwähnt, können Fragen, nach dem Tod, dem Paradies,
der Hölle, dem Jenseits, den wechselnden Dimensionen und wichtige
Fragen wie "Wo ist Allah?", "Was war vor Allah?", "Wer schuf Allah?",
"Wie lange dauert der Aufenthalt im Grab?", "Wo sind das Paradies
und die Hölle?" und "Wo befinden sich das Paradies und die Hölle
gegenwärtig?", einfach beantwortet werden. Und man begreift, mit
welch einem System Allah das ganze Universum aus dem Nichts erschuf.
Die Fragen nach dem "Wo?" und "Wann?" verlieren sogar gänzlich an
Bedeutung, durch dieses Geheimnis, denn es bleiben weder Zeit noch
Raum. Wenn man die Raumlosigkeit begreift, erkennt man auch, dass
die Welt, das Paradies und die Hölle tatsächlich an ein und dem
selben Ort vorhanden sind. Wenn man die Zeitlosigkeit begreift erkennt
man, dass alles zu ein und dem selben Zeitpunkt geschieht; es gibt
kein Warten auf irgend etwas und keine Zeit die verstreicht, denn
alles ist bereits geschehen und vollendet.
Wenn der Gläubige dieses Geheimnis bis in seine Tiefen ergründet,
wird die Welt zum Paradies für ihn. Alle plagenden materiellen Sorgen,
Beunruhigungen und Ängste weichen von ihm. Er erkennt, dass der
gesamte Kosmos einen alleinigen Herrscher hat, der die physische
Welt je nach Seinem Belieben verändert, und dass alles, was er als
Mensch zu tun hat ist, sich Ihm zuzuwenden. Dann gibt er sich Allah
völlig hin und "weiht" sich Seinem Dienst.
Dieses Geheimnis zu ergründen ist der größte Gewinn in dieser Welt.
Mit diesem Geheimnis eröffnet sich noch eine andere große Wahrheit,
die der Quran enthüllt: Die bereits vorher erwähnte Tatsache, dass
Allah dem Menschen "näher als die Halsschlagader"
(Sure 50:16 - Qaf) ist... Jeder weiß, dass sich die Halsschlagader
innerhalb des Körpers befindet. Was kann dem Menschen näher sein
als sein Inneres. Dieser Punkt, ist durch die Realität der Raumlosigkeit
leicht erklärbar, und auch dieser Vers kann in der Erkenntnis dieses
Geheimnisses wesentlich besser verstanden werden.
Dies ist die reine Wahrheit, und es sollte für jedermann feststehen,
dass der Mensch ausser Allah keinen anderen Helfer und Versorger
hat. Es existiert nichts ausser Allah; Er ist das einzige absolute
Wesen bei dem der Mensch Zuflucht finden kann, an das er sich hilfesuchend
wenden kann und von dem er eine Vergütung erwarten darf.
... wohin ihr euch auch wenden mögt, Allahs Antlitz
ist überall... (Sure 2: 115 - al-Baqara)
  
214. François Jacob, Le
Jeu des Possibles, University of Washington Press, 1982, S.111 
215. Lincoln Barnett, The Universe and Dr. Einstein,
William Sloane Associate, New York, 1948, S. 52 f. 
216. Ebd., S.17 
217. Ebd., S. 58. 
218. Paul Strathern, The Big Idea: Einstein and
Relativity, Arrow Books, 1997, S. 57 
219. Lincoln Barnett, The Universe and Dr. Einstein,
William Sloane Associate, New York, 1948, S. 84 
220. Ebd., S.17 f. 
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